Gerne dabei! – Eine Art Selbstvorstellung des neuen Stadtjugendpfarrers Kristian Körver

Jetzt bin ich da gelandet, wo ich angefangen habe, nämlich in der Jugendarbeit. Begonnen hat es bei mir vor fast vierzig Jahren in Bad Ems in der Jungschar – so mit Halstuch und Zeltlager, Jungen und Mädchen brav getrennt, und am Schluss jeder Jungscharstunde gab es eine Andacht. Zunächst war ich normaler Jungscharler und konnte nach zwei Jahren eine Prüfung ablegen. Damit wurde ich Häuptling und war verantwortlich für eine Teilgruppe innerhalb der Jungschar. Wenn ich heute davon erzähle, finde ich das selbst ein wenig weird. Spaß gemacht hat es trotzdem.

Mit Dreizehn bin ich in den Konfiunterricht. Das war eine gute Zeit. Darum habe ich danach weitergemacht und wurde Konfimitarbeiter. Die Bezeichnung Teamer kannten wir noch nicht. Weil einige von uns Lust auf eine selbstbestimmtere Jugendarbeit hatten – sozusagen ohne Halstuch und Häuptling –, haben wir in unserer Kirchengemeinde einen neuen Jugendkreis aufgemacht. Wir hatten seinerzeit einfach den Gemeindepfarrer gefragt, ob wir das dürften, und er hat Ja gesagt und uns einen Schlüssel zum Gemeindehaus gegeben. Heute merke ich, dass das etwas besonderes war, weil daraus viel Vertrauen sprach. Er hat uns Jugendlichen vertraut und zugetraut, dass wir das schon gut machen. Damals verstand man Jugendarbeit nämlich noch mehr als Arbeit für Jugendliche und weniger von Jugendlichen gemacht. Doch wir durften damals schon etwas für uns und andere junge Menschen anbieten.

Mittlerweile glaube ich, dass mich dieses Vertrauen dazu gebracht hat, Kirche als einen Ort für mich zu entdecken, als dritten Ort und safe space, als einen Raum zum Ausprobieren, als Platz, an dem es gut ist zu sein, und als einen Ort für die Sache mit Gott. Und mit diesen Gottesangelegenheiten wollte ich mich schließlich eingehender beschäftigen und habe nach der Schule angefangen Theologie und Philosophie zu studieren.

Daneben gab es noch manch anderes zu entdecken, sodass ich nicht sagen kann, ob das Studium oder die Studienzeit besser war. Bereichernd war es allemal, neben der Theologie noch anderes zu betreiben. Zum Beispiel war ich drei Jahre Inspizient und Regieassistent am Theater. Und mit zwei Freuden hatte ich eine Agentur für Geschichtsvermittlung gegründet und ein paar Jahre ganz passabel betrieben.

Innerhalb der Kirche habe ich nach dem Examen einen normalen Weg beschritten:  Vikariat. Erste Amtsjahre. Acht Jahre Pfarrer in einer Gemeinde im Vordertaunus. Seit 2019 in Mainz. Ich war Pfarrer in der Oberstadt und in Mombach und vier Jahre zuständig für die Stadtkirchenarbeit im Dekanat. Alle Stellen waren nur halbe Stellen, denn zeitgleich habe ich noch einmal studiert und einen Master in „Management, Ethik und Innovation im Nonprofit-Bereich“ gemacht. Früher hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich mich mal mit so Dingen wie Corporate Social Responsibility, Doppelter Buchführung, Projektplanung und Wirkungsmessung, Innovation, Design Thinking oder der Skalierung neuer Sozialprodukte beschäftige. Werkzeuge und Einsichten aus der Werkzeugkiste der Betriebswissenschaft waren in meinem früheren Leben tabu. Aber dann hörte ich, dass gerade die Beschäftigung mit Themen außerhalb der eigenen Blase Enwicklungspotenzial bergen.

Möglicherweise erstaunt es, dass ich nach diesem Abstecher in die Welt des Sozialmangements dort lande, wo ich damals gestartet bin – in der Jugendarbeit. Für mich fühlt es sich aber gerade sehr stimmig an und ich glaube, dass ich hier wieder viel Neues entdecken kann. Die Freude spüre ich bereits. Sicherlich ist die die Arbeit von, mit und für Kinder und Jugendliche heute anders als in meiner Jugend. Auch ich bin anders als früher. Allerdings ist eines ist gleichgeblieben, nämlich dass die Arbeit von, mit und für Kinder und Jugendliche die Zukunft der Kirche ist. Da bin ich gerne dabei.